Hülseberg

Stadt Osterholz-Scharmbeck

100 Jahre Bäckerei/Ladengeschäft - von von Oesen über Rokitta zu Behringer

1911 richtete Georg von Oesen, geboren am 9.3.1885, in seinem neu gebauten Haus in Hülseberg, damals Nr.35, heute Dorfstraße 40, eine Bäckerei und Kolonialwarenhandlung ein. Im gleichen Jahr heiratete er Adeline, geb. Renken aus Hambergen. Zwei Jahre später wurde Sohn Martin geboren, der dann in die Fußstapfen seines Vaters trat und 1937 seinen Bäckermeister machte. Georg von Oesen verstarb bereits 1942, so das Martin von Oesen Bäckerei und Ladengeschäft übernehmen mußte.

1944 heiratete Martin von Oesen, später weithin als "Madin Bäcker" bekannt,  Anna geborene Breden aus Buschhausen. Auch Anna war alsbald nur unter dem Namen "Anno Bäcker" in aller Munde. 1951 erfolgte die erste Vergrößerung der Bäckerei, ausgeführt durch Fa. Stehnke. Weitere bauliche Veränderungen folgten. Zum Ladengeschäft kamen dann auch in den Folgejahren der eine oder andere Bäckerwagen. Eine Rundumversorgung über Hülseberg hinaus wurde so langsam aufgebaut. Im März 1953 erblickte Sohn Rudolf, von allen nur Rudi gerufen, das Licht der "Bäckerei".

1961 feierten Martin und Anna von Oesen das 50 jährige Bestehen mit Sonderangeboten die ganze Woche. Die Spezialität, Wickelkuchen mit frischer Markenbutter, kostete 500 g statt 2,50 Mark nur 2 Mark. Die Venetia-Vollmilch-Schokolade, 200 g, war für 68 Pfennig zu haben und Könnecke-Bockwurst, 3 x 50 g, gabs in der Dose für 98 Pfennig.

1973 übergaben Martin und Anna von Oesen ihre Bäckerei an Heinz  und Annete Rokitta aus der Hafenstraße in Osterholz. Rudolf von Oesen hatte sich anstelle der Bäckerlehre für eine Banklehre entschieden.

Heinz Rokitta, der 1968 seine Meisterprüfung ablegte, baute mit seiner Frau Annette das Geschäft immer weiter aus und hatte zahlreiche Gesellen und Lehrlinge in der Backstube beschäftigt. Wie schon zu "Madinbäckerszeiten" zeugten viele Urkunden und Medaillen von guter Backwarenqualität. Zahlreiche Bäckerwagentouren sorgten dafür, dass Hülseberger Backwaren weithin erhältlich waren. Später wirkte die älteste Tochter Sabine erfolgreich in der Backstube mit.  Der Name Rokitta bürgte über Jahrzehnte von bester Qualität.

Aus Altersgründen setzte sich Heinz Rokitta 1998 zur Ruhe und übergab seine Bäckerei, sein Ladengeschäft und seine Bäckerwagentouren an Jörg Schönfeld und Marco Peters, die damit in wenigen Monaten ihr 3. Geschäft eröffneten. Mit dem "Frischmarkt Hülseberg" und der "Landbäckerei Hülseberg" sollte nicht nur die Grundversorgung der Ortschaft sichergestellt werden. "Wir wollen weg vom alten Stil und unsere eigene Richtung gehen" versprach Jörg Schönfeld.

Doch dieser Schritt in eine neue Richtung war der Anfang vom Ende. Nach Schönfeld und Peters versuchten sich noch einige andere Mitarbeiter an der Geschäftsführung der Bäckerei.  Zuletzt mußte Betreiber Holger Evertz aus familiären Gründen die Segel streichen. 2006 übernahm dann die Bäckerei Budelmann aus Osterholz-Scharmbeck die Hülseberger Landbäckerei und eröffnete hier am 4. Juli eine neue Filiale.

Im zukünftigen Team befand sich mit Hannelore Fuchert eine Hülsebergerin, die zum einen in den sechsziger Jahren bei "Madin Bäcker" gelernt und viele Jahre bei Rokitta das Ladengeschäft geführt hatte. Durch die große Konkurrenz der Supermärkte in der Stadt veränderte sich  auch das Einkaufsverhalten der Kunden. Mit verkürzten Öffnungszeiten hielt die Bäckerei Budelmann dagegen, doch Ende 2010 zog Chef Lörtz Gerken die Reißleine und schloss den Laden zum 31.Dezember.

Dank intensiver Unterstützung und Führung von Gesprächen mit möglichen Interessenten durch Ortsvorsteher Klaus Sass konnte Eigentümer Heinz Rokitta mit Heiko Behringer Anfang Januar 2011 einen neuen Betreiber finden, der den Dorfladen mit einem neuen Konzept weiterführen wollte. Damit war eine Grundversorgung für Hülseberg und die benachbarten Ortschaften herum wieder gesichert.

Am 18. Januar um 5.30 Uhr öffnete dann ein neuer Dorfladen in der 100jährigen Bäckerei. "Meine Kundschaft entscheidet, wie sich das Warenangebot später entwickelt", so Pächter Heiko Behringer. Neben dem Ladengeschäft lädt nun ein kleines Cafe mit gemütlichen Sitzecken zur Kaffeepause und leckeren Brötchen ein. Mittlerweile hat Heiko Behringer die Öffnungszeiten erweitert und sein Personal aufgestockt. Zwischenzeitlich ist der kleine Dorfladen mehr als eine Bäckerei und entwickelt sich immer mehr zum Kommunikationsort für die Ortschaft. Und Ortsvorsteher Klaus Sass ist sich sicher:  "Heiko Behringer wird noch die eine oder andere neue Idee zur Belebung, aber auch zur Stärkung des Dorfladens einbringen.

In der Zeit vom 30. Juni bis 3. Juli wird eine kleine Ausstellung im Dorfladen an 100 Jahre Bäckerei in Hülseberg erinnern. Ortsvorsteher Sass hat sich bereiterklärt, einges zusammenzutragen.